Naturnah · ein Bad in der Biodiversität

Dieser Naturgarten mit Schwimmteich wurde vom renommierten Callwey Verlag ausgezeichnet
und zählt zu den 50 schönsten privaten «Gärten des Jahres 2022» im deutschsprachigen Raum.

 

Gartenplanung · Hariyo GmbH
Fotografie · Benedikt Dittli

Dieser naturnahe Garten ist eine Wucht!
Als wir frühmorgens die rund 1300 m² grosse Anlage betreten und die ersten Sonnenstrahlen den Schwimmteich kitzeln, wähnen wir uns direkt in einer anderen Welt. Als wären wir in einer kleinen Auenlandschaft mit einem Meer aus bunten Blüten gelandet — denn es ist Juni und die Blumenwiesen blühen gerade in Hochform.

Auf Entdeckungsreise

Der Garten, der vorher grösstenteils aus einer Rasenfläche bestand, wurde in viele verschiedene Zonen eingeteilt, die fliessend ineinander übergehen und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gartenbesitzer abdecken. Im Zentrum steht das natürliche Gewässer, ein achteckiger Schwimmteich («Octagon»), der von einer üppig blühenden Feuchtwiese (einer sog. «Riedwiese») und einem Kiesrundweg umgeben ist. Das Holzbecken des Schwimmteiches ist aus Schweizer Weisstannenholz gefertigt, misst 7m x 4m und ist an der tiefsten Stelle 2m hoch. Nebst einem Treppeneinstieg aus Holz wurde seitlich entlang des Beckens auch eine Sitzbank unter Wasser angefertigt sowie ein Holzsteg aus Bündner Berglärche. Dieser führt direkt hinüber zum gemütlichen Sitzplatz vor dem Haus, welcher mit einer Holz-Pergola und einem Belag aus grossen Natursteinplatten ergänzt wurde und eine entspannte Atmosphäre ausstrahlt.

Rund um den Schwimmteich führt ein Kiesweg vorbei an Blumenwiesen, Ruderalflächen sowie einem grossen Gewächshaus und weiter entlang einer langen Natursteinmauer aus Rorschacher Sandstein. Es wurde praktisch überall auf diesen angenehm warmen, leicht zu bearbeitenden Naturstein gesetzt. Auch die zahlreichen Treppenaufgänge, welche die unterschiedlichen Niveaus des Gartens ausgleichen, sind aus demselben Material. Nur für die Trockenmauern beim grossen Gemüsegarten wurde ein lokal-typischer Kalkstein verwendet.
Die Sandsteinmauern sind als Trockenmauern ausgebildet, dafür wurden die roh gespaltenen Steinblöcken im Lagerverband aufgeschichtet. Dabei  umrahmt die Mauer den bestehenden Zierahorn (Acer palmatum) – ein grosser, mehrstämmiger Solitärbaum – und verläuft in einen Spitz, so dass darin ein grosszügiges, tropfenförmiges Beet entstand. Dort gedeihen diverse Halbschattengewächse unterhalb der Baukrone und im vorderen Teil des Beetes diverse sonnenliebende Arten. Gepflanzt wurden so z.B. verschiedenfarbige Nachtviolen (u.a. Hesperis matronalis ‚Alba‘), Sterndolden (Astrantia major ‚Moulin Rouge‘ & ‚Venice‘), Storchenschnabel-Arten (u.a. Geranium phaeum, sanguineum & sylvaticum) oder die einheimische Goldrute (Solidago virgaurea – nicht zu verwechseln mit dem invasiven Neophyten Solidago canadensis) und der Purpur-Kugellauch (Allium aflatuense ‚Purple Sensation‘). Ein alter Brunnen verleiht der Ecke zudem einen gewissen Vintage-Touch in Kombination mit der originellen, fabigen Fassade des Hauses.

Lauschige Plätzchen

Entlang dieser Mauer befindet sich ein Sitzplatz, von dem man gute Sicht auf den Schwimmteich hat. Etwas weiter vorne durchbricht ein Bachlauf die lange Natursteinmauer, die vom Haus weg durch den Garten führt. Der kleine Bach verbindet die Ruderalfläche vor dem Hühnerhaus mit der Schwimmteichzone und garantiert, dass die Feuchtwiese immer wieder von oben her mit Wassr aus den tieferen Schichten versorgt wird. Das beruhigende Plätschern sorgt zudem für eine angenehme Geräuschkulisse bei den beiden Sitzplätzen, die ganz in der Nähe platziert wurden.

Ein Bad in der Biodiversität

Dieser Naturgarten besticht mit seiner grossen Pflanzenvielfalt an vorwiegend einheimischen Gewächsen sowie ausgewählten attraktiven Gartenpflanzen. Das Herzstück bildet dabei die einer natürlichen Pfeifengraswiese (Riedwiese) nach empfundene Feuchtwiese um dem Schwimmteich. Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen blühte diese voller Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi) und gelben Gauklerblumen (Mimulus luteus) sowie diverse Wieseniris-Arten (Iris sibirica in Sorten) und natürlich den namensgebenden Pfeifengräsern (Molinia caerulea und arundinacea). In der Feuchtwiese wurden bewusst auch höher wachsende, attraktiv blühende Stauden eingesetzt, wie die einheimische akeleiblütige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium) oder die rosarote Spierstaude (Fillipendula rubra ‚Venusta‘) oder die langandauernd fantastisch blühende Purpur Kratzdistel (Cirsium rivulare ‚Atropurpureum‘). Ausgewählte Raritäten wie der Moorenzian (Swertia perennis), Sumpfgladiolen (Gladiolus palustris) oder der markante Sumpf-Eibisch (Hibiscum moscheutos) vervollständigen dieses einmalige Pflanzenbijoux.  Im Schwimmteich sind nebst Seerosen auch Blutweiderich (Lythrum salicaria) auch das Herzblättrige Hechtkraut (Pontederia cordata) zu finden. Die attraktive einheimische Schwanenblumen (Butomus umbellatus),  der Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) und viele ’submerse‘ Pflanzenarten – also Pflanzen, die unter der Wasseroberfläche wachsen, runden die Schwimmteichbepflanzung ab.

Ziel dieser breit aufgestellten, diversen Bepflanzung sind nebst dem ganzjährigen Blüherlebnis, das die Betrachtenden stets aufs Neue überrascht, primär die Förderung der Artenvielfalt. Denn einheimische Pflanzen sind an das Klima angepasst und daher widerstandsfähiger. Sie werden nicht nur von Insekten und Vögeln besser angenommen, sondern verrotten auch problemlos und vermehren sich in einem gesunden Ausmaß, ohne zu wuchern oder wichtige Arten zu verdrängen. Der Garten bleibt so im eigenen Gleichgewicht und leistet einen wertvollen Beitrag für Flora & Fauna.

 

Vorher – Nachher

Als Fazit darf betont werden, dass die grosse, etwas eintönig wirkende Rasenfläche einer verspielten, naturnah gestalteten Gartenanlage gewichen ist, die einen zum Durchschlendern animiert. Es gibt in diesem detailverliebten Naturgarten viel zu Entdecken – und nebst einem erfrischenden Bad im Schwimmteich bietet er auch viele Zonen der Entspannung und Inspiration, die dabei helfen, herunterzufahren, den Kopf zu lüften und frei durchzuatmen.