Wildblumengarten

Fotografie: Benedikt Dittli

Am Jura-Südfuss schreitet man durch ein kunstvoll gestaltetes Tor aus Stahl hinauf in die Gartenzone. Das rostige Material setzt effektvoll Akzente und betont das naturnahe, wilde Flair dieses Ortes. Weiter hinten beim Haus lädt ein dekorierter Sitzplatz Gäste zum Verweilen ein. Wein steht auf dem Esstisch, heute ist ein milder Sommerabend zum Ausklingen. Bei schöner Aussicht vom Essplatz aus auf den Schwimmteich beobachtet man das Wasserspiel des sachten Windes auf der Teichoberfläche im unteren Bereich des Gartens. Die breite Lesetreppe nebenan aus Grenchner Jurakalk führt vom Haus weg auf die Rundkiesfläche und verbindet die Ebene des Schwimmteiches mit dem Vorplatz. Tagsüber der ideale Ort nebst dem Esstisch und dem Holzdeck um sich hinzusetzen.

Schreitet man dem Kiesweg entlang um den Schwimmteich, entdeckt man kleinere und grössere Uferbepflanzung. Schwertlilien, momentan in Blüte, schmücken den grünen Wasserpflanzengürtel vereinzelt mit Farb-Tupfern. Die unterschiedlichen Farbtöne in Blau, Grün und Braun des Wassers weisen auf das naturbelassene lebendige Teichwasser hin. Als Schwimmteich der Kategoire 1 angelegt, regeneriert sich der Teich in erster Linie durch die Ufer- und Wasserpflanzenzone. Der Einstiegbereich beim Wasser vom Holzdeck aus wird von der Sonne gewärmt. Nach einem Naturbad legt man sich gemütlich aufs Badetuch neben dem Wasser.

Die Wiese, welche direkt ans Holzdeck des Essplatzes anschliesst, ist ergänzende Nachbarvegetation zum Schwimmteichufer. Farbenfrohe Blütenköpfe in rosa, gelb, violett und weiss ziehen sich über die ganze Fläche und werden nur vereinzelt von kleinkronigen Einzelbäumen abgewechselt. Was auffällt, sind die brummigen, summigen Töne aus Richtung Blumenwiese der Bienen und Hummeln, welche im Abendlicht die Wiesenblüten aufsuchen: Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Wiesenmargarite (Leucanthemum vulgare), Wundklee (Anthyllis vulneraria), Witwenblume (Knautia arvensis) und Wiesensalbei (Salvia pratensis). In Pflanzenrabatten wachsen Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium) und Rote Lichtnelken (Silene dioica). Schwungvoll zieht sich am Rand der Wiese eine Trockenmauer entlang. Sie ist gleichfalls wie der Treppenbereich aus Grenchner Jurakalk und im Lagerverband angeordnet. An warmen Sommertagen sind die erwärmten Steine ein Anziehungsmagnet und Unterschlupf für Reptilien. Zugleich nimmt die Mauer durch ihren schwungvollen Verlauf die natürlich rund-ovale Form des Schwimmteiches auf.

Irgendwo zwischen Uferzone am Schwimmteichwasser und reichblühender Blumenwiese auf der gegenüberliegenden Seite schwirrt eine Libelle dynamisch durch die Lüfte. Und huschte da nicht soeben eine flinke Eidechse unters Holzdeck beim Essplatz? Geht es darum, sie auf die Foto-Kamera zu bekommen, wird es schwierig. Aber wer weiss, ob sie nicht doch gerne stolz posieren würden für ihr privates Territorium im grünen Universum. Sie scheinen jedenfalls hier am richtigen Fleck angekommen zu sein. Was sie hierhin zieht, scheint klar: Die warmen Jurasteine, reichhaltige Wildblumen-Bepflanzung von nassen, sumpfigen bis trockenen, mageren Standorten. Es gibt gute Gründe genug, diesen Ort als ihren Geheimtipp zu wahren. So verschwinden Sie hinter dem nächsten Schilfhalm oder in der Holzspalte, wobei man die Eidechse geradeso in einer Sekunde erspähen konnte. Eine natürliche Flüchtigkeit dieses Ortes wirkt in diesem Moment sagenhaft authentisch. Der letzte Sonnenschein winkt über den Teich und ein freundlicher Tag im Garten neigt sich dem Ende zu. So verabschiedet man sich allmählich mit einem letzten Schluck Wein von diesem Traumgarten und überreicht den Schwimmteich wieder sich selbst, den Wasserorganismen, der Ufervegetation und der Ruhe der Nacht.